Ich bin angekommen! Wie gerne erinnere ich mich an diesen intensiven Augenblick zurück, als ich um die Ecke bog und auf einmal vor dieser riesigen imposanten Kathedrale stand. Ich war glücklich, es flossen Freudentränen, ich hatte Gänsehaut. Ich konnte es wirklich nicht glauben, dass ich es geschafft habe und am ersehnten Ziel dieses Jakobsweges angekommen bin. Das Ziel für so viele Menschen, die sich Jahr für Jahr aus den unterschiedlichsten Gründen auf den Weg machen. Nicht alle schaffen es, aber für die, die es schaffen, löst diese Kathedrale in Santiago de Compostela wohl in diesem „Ankunfts-Moment“ ein wahres Glücksgefühl aus.

Santiago de Compostela ist nicht zuletzt dank der seit Jahrhunderten andauernden Pilgertradition der bekannteste katholische Wallfahrtsort Spaniens, und nach Rom, Jerusalem und Guadalupe sogar der Viertbekannteste. Die Innenstadt, die sicher eine der schönsten Spaniens ist, wurde überwiegend im barocken und klassizistischen Baustil errichtet und bietet eine beeindruckende Atmosphäre. Unübersehbar ist hier jedoch auch der über die Jahre gewachsene und gepflegte Pilgerkommerz.

Ankunft in Santiago de Compostela – Einer der bekanntesten Wallfahrtsorte

Santiago ist die Hauptstadt der autonomen Gemeinschaft Galicien und mit 30.000 Studierenden eine der beliebtesten Universitätsstädte Spaniens. Im Jahr 2000 wurde sie zu einer Kulturhauptstadt Europas ernannt. In ihren Straßen findest du unzählige Kneipen und Restaurants, Tag und Nacht wird die Altstadt durch das Spiel von Musikanten und Künstlern belebt. Santiago zählt neben Barcelona und Madrid zu den teuersten Städten Spaniens.

In Santiago de Compostela treffen Traditionen, Mythen, Geschichten und Legenden auf Gegenwart und Moderne.

Seit Jahrhunderten bewandern Tausende von Pilger Jahr um Jahr den Jakobsweg, um einen Traum zu erfüllen: die lebendige Hauptstadt Galiciens zu erreichen und ihre legendäre Kathedrale zu betreten. Denn der Überlieferung nach sind hier die Überreste des Apostels Jakobus begraben, die im 9. Jh. wiederentdeckt wurden. Die Altstadt von Santiago de Compostela zählt schon seit 1985 zum Weltkulturerbe der UNESCO. 

Gut zu wissen: Von Januar bis November 2022 waren folgende Pilger unterwegs (Zahlen vom Pilgerbüro in Santiago):

  • Camino Frances: 218.722 (51%)
  • Camino Portugues: 90.347 (21%)
  • Camino Portugues da Costa: 29.573 (7%)
  • davon 53% Frauen und 47% Männer
  • 94% zu Fuß und 53% zwischen 30-60 Jahre

Die Kathedrale von Santiago de Compostela

Die Kathedrale bedeutet für alle Pilger und Pilgerinnen das Ziel der Pilgerreise. Von 2019 bis 2020 wurde sie komplett renoviert, damit sie 2021 zum Beginn des Heiligen Jakobusjahres fertig ist. Übrigens wurde dieses wegen der Pandemie bis 2022 verlängert. In Santiago de Compostela findet das Heilige Jahr dann statt, wenn der 25. Juli, der Tag des Heiligen Jakobus, auf einen Sonntag fällt. Das geschieht in einer zeitlichen Abfolge von sechs, fünf, sechs und elf Jahren. Der Vorläufer der Kathedrale geht auf das Jahr 830 zurück. 1075 begann schließlich der Bau der heutigen Kathedrale, die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach in den verschiedensten Stilen erweitert und ausgeschmückt wurde.

Die Kathedrale gilt als eine der schönsten und größten, inzwischen aber leider auch als einer der touristischsten Spaniens. Die Fassade stammt aus der Barockzeit und dominiert den vor ihr liegenden Praza do Obradoiro. Das Glorientor war einst ein authentischer Ort, das von Pilgern schweigend und tief berührt durchschritten wurde. Seit 2019 ist dieser traditionelle Zugang leider nur noch nach Anmeldung im Rahmen einer Führung geöffnet.

Der Weg durch die Kathedrale führt durch einen großen Saal, wo ein großes Weihrauchgefäß, der Botafumeiro, von der zentralen Kuppel hängt. Der Botafumeiro ist eines der bekanntesten und beliebtesten Symbole der Kathedrale von Santiago de Compostela. Acht Männer sind nötig, um ihn zu bewegen, die so genannten „tiraboleiros“. Er wiegt 53 kg, misst 1,50 m, hängt in 20 m Höhe und kann eine Geschwindigkeit von 68 km/h erreichen.

Die Tradition geht auf das Mittelalter zurück, wo der markante Geruch der frisch eingetroffenen Pilger diese Maßnahmen notwendig machte, um einen halbwegs festlichen Rahmen der Pilgermesse zu ermöglichen. Traditionell kam der Botafumeiro eigentlich nur zu besonderen feierlichen Anlässen zum Einsatz. Heute jedoch kann der Botafumeiro gegen eine Spende von circa 300€ jederzeit geschwenkt werden, und das kommt öfters vor, als man denkt.

Ich fand die Kathedrale innen wie außen wunderschön, hatte aber das Gefühl, dass die katholische Kirche diesen Ort etwas zu kommerziell betreibt. Spende hier, Spende da… 1€, um eine Kerze anzuzünden. Ich dachte immer, die Kirche ist ein Ort für Arm und Reich… Die Krypta, die unter dem Hauptaltar liegt, kannst du ebenso in der Kathedrale bestaunen: stelle dich hierzu in der Schlange der wartenden Menschen ein. Dort sollen die Gebeine des Apostels Jakobus liegen.

Es scheint, als ob sich das gesamte Leben in Santiago de Compostela um den Plaza del Obradoiro dreht, an dem u. a. die Kathedrale, der Raxoi-Palast und das luxuriöse Hostal de los Reyes Católicos, das vermeintlich älteste Hotel der Welt, stehen. Auf dem Platz tummeln sich Pilger und Reisende aus aller Welt. Alleine, in kleinen oder großen Gruppen, erschöpft, freudig oder einfach nur sentimental und glücklich. Und wahrscheinlich voller Demut, diese Kulisse und Atmosphäre dieser Stadt erleben zu dürfen.

Wenn du gerne eine Stadtführung durch Santiago machen willst, kannst du dich zum Beispiel unter Free Tour Compostela informieren. Gegen eine freiwillige Spende werden Stadtführungen auf Englisch und Spanisch angeboten. Diese beginnen zwischen April und Oktober etwa ab 10 Uhr.

Weitere Top-Sehenswürdigkeiten in Santiago de Compostela

  • Plaza Praterías – beste Sicht auf den Berenguela-Kirchturm
  • Plaza Quintana
  • Park La Alameda und den Aussichtspunkt Monte do Gozo (tolle Aussicht auf die Kathedrale)
  • Parkanlage Vista Alegre
  • Benediktinerkloster San Martiño Pinario
  • Mercado de Abastos
  • Calle Franco und Calle Raiña inmitten der Altstadt (Tapas, Santiago-Kuchen und Weine wie den Albariño, einer der besten Weißweine der Welt – unbedingt probieren)
  • Galicischen Zentrum für zeitgenössische Kunst
  • Galicische Volkskundemuseum
  • Das Pilgermuseum – beschäftigt sich mit der Geschichte und Kultur des Jakobswegs und der Entwicklung der Stadt Santiago
  • Praza de Cervantes – hier thront auf einer Säule die Büste des spanischen Nationaldichters Miguel de Cervantes

Santiago begrüßte mich mit wundervollen Zeichen

Warum ich auf die Idee gekommen bin, pilgern zu gehen, kannst du hier nachlesen. Eines meiner Mottos vor der Pilgerreise war „Je stiller, desto mehr Erkenntnis“. Ich wollte Ruhe und Stille auf dem Weg genießen, und Schritt für Schritt achtsam gehen. Das hat auf dem portugiesischen Teil ganz gut funktioniert, aber es war dann doch eher selten, dass ich kilometerlang komplett alleine war. Ich sah den Weg dann als sportliche Herausforderung.

Am letzten Tag, auf der Etappe nach Santiago, erhielt ich schöne Eingebungen, Impulse und Zeichen. Ein paar Kilometer vor Santiago kam der Gedanke „Ich bin so viel mehr“ auf. In der Stadt bin ich an einem Schaufenster mit der Aufschrift „la vida no es perfecta“ vorbeigelaufen, das bedeutet „das Leben ist nicht perfekt“. Last but not least hat sich nach meiner Ankunft an der Kathedrale die Sonne gezeigt, obwohl es den ganzen Tag bewölkt war.

In Santiago solltest du für deinen letzten Stempel das Pilgerbüro ansteuern. Das ist der Ort, an dem die Pilger, die in Santiago ankommen, empfangen werden. Hier wird der letzte Stempel des Jakobsweges, der von der Kathedrale von Santiago, in deinen Pilgerausweis gestempelt und die traditionelle Urkunde, die bekannte „Compostela“, ausgestellt. Adresse: Rúa Carretas, 33 – CP 15705.

Meine Unterkunft in Santiago: Albergue SIXTOs* – Obwohl diese Herberge eine sehr hohe Bettenzahl anbietet, hat mir der Aufenthalt gefallen. Die Ausstattung des Hostels ist angenehm schick, es gibt 40 Betten in einem großen Schlafsaal mit Einzelkabinen und Vorhang, eine saubere Küche und einen Aufenthaltsraum. Die Unterkunft liegt jedoch etwas außerhalb, ca. 1,3 Kilometer von der Kathedrale entfernt.

Reiseziele in der Umgebung

Santiago de Compostela ist das Ziel der Jakobswegreise, muss aber lange noch nicht das Ende sein. Es gibt viele Alternativen, deinen Camino zu verlängern, zum Beispiel mit Ausflügen in die Umgebung. Oder du pilgerst ans Ende der Welt nach Finisterre. Für viele Pilger gilt das Kap Finisterre mit seinem Leuchtturm als das tatsächliche Ende des Jakobsweges.

  • A Coruña, die Stadt aus Glas ⇨ 73 km
  • Pontevedra, sehenswerte Provinzhauptstadt ⇨ 63 km
  • Vigo, Tor zu den Illas Cíes ⇨ 99 km
  • Kap Finisterre, „Ende der Welt“ ⇨ 86 km
  • Tagesausflug* an die galizische Küste

Weitere Tipps*:

Tipps für deinen persönlichen Abschluss des Jakobsweges

  • Die katholische Pilgermesse in Santiago de Compostela besuchen (täglich um 07:30 Uhr, 09:30 Uhr, 12 Uhr und 19:30 Uhr, wird in der Regel in Spanisch angehalten und dauert etwa 40 Minuten)
  • Vor der Kathedrale sitzen und das Geschehen beobachten
  • Einen Reisebericht verfassen
  • Falls du den Weg nutzt, um Abschied zu nehmen, kannst du z.B. einen Brief verfassen und ihn anschließend verbrennen, um emotional und mental loszulassen, oder du bittest dir oder einem Menschen um Vergebung
  • Das Betrachten und Sortieren der Urlaubsfotos
  • Vorsätze für deinen Weg „danach“
  • Nach Finisterre, ans Ende der Welt pilgern oder mit dem Bus fahren (es ist Brauch, dass man als Abschluss des Jakobsweges beim Leuchtturm am Kap Finsterre schweigend den Sonnenuntergang betrachtet, sich reinigend im Meer badet oder Kleidungsstücke verbrennt)

Deine Abreise

Wenn du nicht so viel Zeit hast und deine Pilgerreise in einer vorgegeben Zeit absolvierst, wird dein Rückflug wahrscheinlich schon gebucht sein. Du kannst in Porto beginnen und zurück von Santiago de Compostela fliegen. Der Flughafen liegt circa 16 Kilometer außerhalb der Stadt. Ich habe Hin- und Rückflug zwischen Berlin und Porto gebucht, weil die Flüge ab und bis Porto schneller und günstiger waren. Um zurück nach Porto zu reisen gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Pilgern 🙂
  • Zug Renfe
  • Mietauto
  • Fernbus (ALSA, Flixbus oder Monbus)
  • Mitfahrgelegenheit BlablaCar

Die Entfernung zwischen Santiago de Compostela und Porto beträgt 230 Kilometer. Die Busfahrt dauert circa 3,5 bis 4 Stunden. Das Unternehmen ALSA veröffentlicht die Busfahrpläne immer nur für die nächsten 3 Monate. Es reicht normalerweise, die Tickets 2-3 Tage vorher zu buchen, außer in der Hochsaison. Du kannst die Fahrkarte auch am Schalter der Estación de Autobuses in der Rua de Clara Campoamor kaufen.

Ich wollte eigentlich mit dem Fernbus fahren, aber die Busse waren ziemlich schnell ausgebucht an dem Sonntag. Also entschied ich mich, die Fahrt bei BlablaCar zu buchen. Ich war überrascht, dass die Mitfahrgelegenheit auch in Portugal und Spanien eine günstige Alternative ist, um von A nach B zu kommen. Innerhalb von 2 Stunden war ich zurück an meinem Ausgangspunkt. Das war ein komisches Gefühl, da ich 15 Tagesetappen für diese Strecke gebraucht habe.

Und, planst du schon deine Pilgerreise? Melde dich gerne jederzeit bei mir, wenn du Fragen zu deinem Jakobsweg hast. Ich freue mich auf deine Nachricht.

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